Der Untergang der Häftlingsflotte

Der Untergang der Häftlingsflotte

Lübecker Bucht verzeichnet die größte Schiffskatastrophe

Der Zweite Weltkrieg war sehr schlimm für die ganze Welt – auch die Lübecker Bucht war von den Auswirkungen und Maßnahmen betroffen. Als der Krieg endlich auf sein Ende zuging, ereignete sich hier, am 3. Mai 1945, eine der größten Schiffskatastrophen der Geschichte, bei der über 7.000 Menschen ihr Leben verloren.

Räumung des KZ Neuengamme

Neuengamme befindet sich im Hamburger Bezirk Bergedorf und ist vor allem durch sein Konzentrationslager bekannt. In diesem waren über 100.000 Menschen untergebracht und mindestens die Hälfte ließ aufgrund der unglaublich menschenunwürdigen Anschauungen und Bedingungen ihr Leben – die Zahlen fallen hierzu recht unterschiedlich aus. Am 19. April 1944 gab es den Befehl, dieses zu räumen, denn Heinrich Himmler hatte das Ziel, dass „kein Häftling in die Hände des Feindes fallen“ sollte – allerdings war den Oberhäuptern noch nicht klar, wie sie dies realisieren sollten. Ab dem März 1945 begann man, Gefangene aus den Außenlagern nach Neuengamme zu bringen, wobei auch viele in die umliegenden Endlager (dies waren die KZs für „nicht mehr arbeitsfähige“ Gefangene) kamen. Im April 1945 entschied man sich, die im KZ Neuengamme untergebrachten Häftlinge mit Schiffen wegzubringen.

Gleichzeitig organisierten Niels Christian Ditleff, Graf Folke Bernadotte und Heinrich Himmler eine beispiellose Rettungsaktion norwegischer und dänischer Gefangener. So konnte man rund 21.000 Menschen retten.

Am 20. April begann die chaotische Neuengammer Auflösung, die bereits viele Menschen das Leben kostete, weil sie zu schwach und krank waren.

So verlud man rund 2.000 KZ-Häftlinge auf den defekten Frachter THIELBEK, 4.300 auf die ATHEN. Von diesen sollte es auf die CAP ARCONA gehen. Allerdings weigerte sich der Kapitän zunächst erfolgreich für vier Übergabeversuche. Doch auch er musste aufgeben, sodass am Ende rund über 7.000 Häftlinge auf das Schiff geladen wurden.

Die Lübeker Bucht als Sammelstelle

In der Lübecker Bucht sammelten sich nach und nach verschiedene Schiffe, teilweise mit und ohne Häftlinge. So befanden sich auf der CAP ARCONA und der THIELBEK insgesamt rund 8.000 Häftlinge (5 km vor Neustadt). Weitere ca. 1.600 Menschen waren auf den Lastkähnen VATERLAND und WOLFGANG untergebracht, die allerdings etwas später strandeten und ihre Häftlinge an die ATHEN abgaben.

Der Untergang der Häftlingsflotte – ein Fehler

Gegen Mittag des 3. Mai begannen die Angriffe durch britische Jagdbomber, wodurch die CAP ARCONA, THIELBEK und auch die ATHEN leichte bis schwere Treffer verkraften mussten. Das Ziel war, die Absetzbewegungen über die Ostsee zu unterbinden. Durch die Bomben mehrerer Angriffswellen fingen die Schiffe Feuer und/oder sanken bei einer Wassertemperatur von 7 bis 8 °C – für die Gefangenen gab es keinerlei Chance zu entkommen, denn selbst wenn sie einen Flucht- oder Rettungsversuch starteten, erschoss man sie.

Allerdings war dies nicht das Ziel der Briten. Sie hielten die Schiffe für Truppentransporter und wollten Lübeck befreien. Umso dramatischer ist der Ausgang für alle gewesen.

Ein paar wenige konnten überleben, aber die Zahl von rund 350 bis 450 Menschen ist leider schwindend gering angesichts der Toten. Bei den SS-Beteiligten lag die Überlebensquote bei rund 80 %.

Ausflug in die Geschichte

Möchten Sie noch mehr über den Untergang der Häftlingsflotte oder diesen Teil der deutschen Geschichte erfahren, empfehlen wir Ihnen Folgendes:

 

  • Ehrenmal: Cap Arcona Weg, 23730 Neustadt i. H.
    Ehrenfriedhof für die Opfer
    Cap Arcona-Museum (Zugang über den Haupteingang des Ostholstein-Museums)
    Kremper Straße 32, 23730 Neustadt i. H. 
  • KZ Neuengamme
    Jean-Dolidier-Weg 75, 21039 Hamburg